Beschreibung:

LXXXVII, 550 / XII, 769 S. : 1 Kt. Originalleinen.

Bemerkung:

Aus der Bibliothek von Prof. Wolfgang Haase, langjährigem Herausgeber der ANRW und des International Journal of the Classical Tradition (IJCT) / From the library of Prof. Wolfgang Haase, long-time editor of ANRW and the International Journal of the Classical Tradition (IJCT). - sehr guter Zustand - Wenn man die Philologie mit andern Wissenschaften, wie Geschichte oder Mathematik, vergleicht, kann man leicht an ihr die bestimmte Begränzung des Begriffs vermissen, wie sie den andern zukommt, und wohl zu der Ansicht geführt werden, daß sie nur ein zufälliges Aggregat verschiedenartiger Kenntnisse, theils aus der Sprachsünde, theils aus der Geschichte, der Aesthetik u. s. w., sei, welches nur durch besondere äußere Umstände, die namentlich in der einmal eingeführten Erziehungsweise der Jugend liegen, als ein scheinbares Ganzes zusammengehalten werde. Die alten Autoren, kann man sagen, seien nun einmal ein probates Bildungsmittel des jugendlichen Geistes ; Alles, was zum Verständniß und zur Erläuterung derselben diene, welchem Zweige des menschlichen Wissens es auch angehören möge, bilde die Masse von Kenntnissen, die man Philologie nenne. Dann wurde freilich die Philologie, wenn sie in dem Verstehen der alten Schriftsteller schon ihren Schluß - und Zielpunkt gefunden hätte, wenn kein daraus erst wieder zu gewinnendes Wissen jenseits läge, als Wissenschaft gar nicht in Betracht kommen. Wenn man aber dagegen die Bestrebungen der Männer, welche schon im sechszehnten Jahrhundert die Philologie weit über das Maß solcher Hilfskenntnisse hinaus mit der ganzen Energie von Geistern, die nach wirklicher Wissenschaft rangen, bearbeitet haben, wenn man die Richtung, welche die Philologie in neueren Zeiten in Deutschland genommen hat und mit wachsender allgemeiner Theilnahme verfolgt, beobachtet: wird man darin gewiß nicht den Trieb eigentlicher Wissenschaft verkennen, der auf ein großes, innig verbundenes Ganzes menschlicher Erkenntniß hinausgeht. Ueber das Feld nun, auf welchem diese Erkenntniß im Allgemeinen zu suchen ist, kann kaum ein Zweifel obwalten, daß es das der Geschichte des Menschengeschlechts sein müsse. Hiernach würde die Philologie der Geschichte als ein Theil anheimfallen, wenn nicht von der andern Seite die Philologie sich Aufgaben gesetzt hätte, die wenigstens nicht im Kreise der Geschichte, in dem Sinne, wie man sie aufzufassen gewohnt ist, zu finden sind. ISBN 9783487067582